Zur Geschichte der Spielstätte TdJ Neubaugasse
Hervorgehoben
1906 wurde die Wiener Freie Volksbühne nach Berliner Vorbild gegründet. Sie sollte den „Wiener Arbeitern“ kulturelle Teilhabe ermöglichen – „frei von bürgerlichen Konventionen“. 1911 plante der Verein den Bau eines eigenes Theaters. Als Provisorium übernahm man ab 1912 einen ursprünglich für einen Kinobetrieb vorgesehenen Saal in einem neuen Wohngebäude in der Neubaugasse 36. Die Eröffnung fand am 12. Dezember 1912 statt (Direktoren: Stephan Großmann, Arthur Rundt / Dramaturg: Berthold Viertel). Arthur Rundt schrieb in der Zeitschrift der Freien Volksbühne in dem Artikel „An die Komödianten (Worte vor der ersten Probe.)“:
Die Freie Volksbühne kämpfte mit finanziellen Problemen. 1914/15 löste sich der Verein auf, das Theater wurde unter dem Namen „Volksbühne“ bis 1919 von verschiedenen Direktoren geführt.
Im Herbst 1919 übernahm der aus Deutschland stammende Theater- und Filmschauspieler Harry Walden das Gebäude in der Neubaugasse. Er benannte das Theater in „Renaissancebühne“ um. Da das Gebäude nicht den baulichen Bedingungen eines Theaters genügte, wurde nur eine Singspielhallenkonzession erteilt, die u. a. strikt verbot, das Wort Theater „in Plakaten, Annoncen oder sonstigen Ankündigungen“ zu verwenden.
1921 beging Walden Selbstmord, in den folgenden Jahren erlebte das Theater verschiedene Nutzungen, bis es ab Anfang der 1930er-Jahre mehrere Jahre verwaiste. 1938 wurde der Versuch unternommen, das Gebäude zum „ersten SA-Theater des Reiches zu machen“. 1942 übernahm „nach Planungen des Reichsleiters [Baldur] von Schirach“ Felix Gerald zeitweise die Leitung des neu renovierten Theaters (Umbauten: Anton Jung). Ab dieser Zeit hieß die Bühne nun offiziell „Renaissancetheater“ (nicht – wie oft zu lesen ist – erst ab 1948).
Nach 1945 wurde zunächst wieder die Bezeichnung „Renaissance-Bühne“ verwendet, aber der Schriftzug aus der NS-Zeit „Renaissancetheater“ prangte über dem Haus.
1948 übernahm Leon Epp das Haus und führte es für kurze Zeit unter dem Namen Renaissancetheater. Er definierte die Bühne als „ein auf höherer geistiger Ebene fußendes Amüsiertheater“. Im Juli desselben Jahres wurde in den Räumen der Kino-Amateure Österreichs direkt neben dem Eingang zum Renaissancetheater das erste Kinderkino Österreichs eröffnet. Ab 1949 war das Renaissancetheater das Theater der Löwinger-Bühne. 1957 mietete sich das Theater der Jugend mit ein. Ab dem 1. September 1970 übernahm das Theater der Jugend das Renaissancetheater in Hauptmiete.
Mit der Spielzeit 2026/2027 wird der Ort unter der Bezeichnung „TdJ Neubaugasse“ geführt, um das Theater stärker mit der Dachmarke „Theater der Jugend“ zu verbinden.