Alles könnte so schön sein im grauen Haus. Wenn gerade nicht gefuttert wird, vertreibt sich das kleine Mäuserudel die Zeit mit allerlei lustigen Spielen, und wenn es was zu entscheiden gibt, dann wird gemeinsam beraten und abgestimmt. Doch mit dem Mäuseidyll ist es schnell vorbei, als eines Nachts die Tür zum Garten offen steht und sich das Gerücht verbreitet, eine gefräßige Katze würde ihre Runden drehen. Wenn Angst und Unsicherheit um sich greifen, dann ist das wohl die Stunde für Willibald!
Denn Mäuserich Willibald ist nicht nur überaus stark und hungrig, sondern auch ebenso machtdurstig. Geschickt nutzt er, gemeinsam mit seinem überaus schlauen Compagnon Josef, die aufkeimenden Sorgen im Rudel, um alle nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Von nun an unterstehen die Aktivitäten der Mäuseschar einzig und allein dem Sicherheitsgedanken. Anstatt zu spielen, wird von früh bis spät gearbeitet und trainiert, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Widerspruch kann Willibald naturgemäß nicht dulden, nagt dieser doch allzu sehr an seiner privilegierten Vormachtstellung – immerhin er lebt in der neuen Ordnung wie die Made im Speck. Das bekommt auch die junge Albinomaus Lili deutlich zu spüren, als sie aufgrund ihres schneeweißen Fells zur Feindin des Rudels erklärt und in die Bibliothek verbannt wird. Dort angekommen, muss sie feststellen, dass auch unter Mäusen erst das Fressen kommt, und dann die Moral. Aber der Fluch entpuppt sich als wahrer Segen, entdeckt Lili in ihrem einsamen Exil doch unzählige Welten in den vielen Geschichten im Bücherregal – Auch über Tyrannen und wie man ihnen entgegentreten kann, erfährt die frischgebackene Leseratte hier allerhand. Doch wie setzt man das neugewonnene Bücherwissen in die Tat um? Und wie bringt man den Rest des Rudels dazu, den uneingeschränkten Boss Willibald als das zu entlarven, was er ist?
Dem mehrfach – unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis – ausgezeichneten Autor Willi Fährmann gelingt mit dieser 1983 veröffentlichten Fabel ein berührendes und kraftvolles Plädoyer für Freundschaft, Loyalität und den Mut, auch im Falschen das Richtige zu tun.