Zapp – und wir sind mitten drin in einer dramatischen TV-Auseinandersetzung. Die eloquente und distanzierte Talkmasterin Chora hat für ihre Fernsehshow drei Gäste ins Studio geladen. Die Sendung läuft, der erste Gast, ein Wächter, wird bereits befragt, das Thema kennen wir nicht. Von einem Toten ohne Begräbnis ist die Rede, und davon dass ein Mädchen mit einer Schaufel versuchte, Erde über den Leichnam zu werfen. Der Name Kreon fällt, später dann: Antigone. Es ist die Geschichte der Heldin der gleichnamigen Tragödie des Sophokles, uraufgeführt 442 v. Chr., die hier vor mehreren Kameras in gleißendem Scheinwerferlicht als anregender Krimi aufgerollt wird. Bericht und Kommentar, in der Antike Aufgabe des Chores, übernimmt heute die Moderation. Eine Talkmasterin, die über allem steht und doch gezielt Emotionen durchblicken lässt, zieht die Fäden, und die Beteiligten tanzen: der Wächter als Vertreter des einfachen Mannes, Kreon, der Machthaber, der staatsmännisch sein politisches Kalkül ins Treffen führt und schließlich Antigone, das widerständige Mädchen, das nicht sterben will und es dennoch als ihre individuelle Pflicht sieht, das zu tun, was ihr den Tod bringt. Wer ist im Recht? – Ein alter Mythos wirft in neuen Fernsehbildern ewig aktuelle Fragen auf.
Ausgehend von der Anouilh'schen Vorlage gestaltet der Regisseur Folke Braband ein packendes und reizvolles Vexierspiel über Wut, Verletzung, Verunsicherung und – nicht zuletzt – Mitgefühl.